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Elisabeth Anne Everest

von Siegfried Ballentin

Ein großartiges Beispiel dafür, dass wir oft gar nicht abschätzen können, was wir durch unsere lebenslängliche Treue alles erreichen, finden wir in Elizabeth Anne Everest. Sie war nur ein Kindermädchen, eine von Tausenden in England zur Zeit von Königin Victoria, die ein ruhiges, unscheinbares Leben führte und sich um die Kinder der anderen Leute kümmerte. Elizabeth sollte nie erfahren, welche Auswirkungen ihr Leben auch noch viele Jahre nach ihrem Tod auf England und sogar auf die ganze Welt haben würde.
Elizabeth Everest war Christin und ihr Beruf war nicht nur ein Job für sie, sondern eine Berufung. Vielleicht war es ihre Treue, die den Herrn dazu veranlasste, ihr ein kleines rosiges Baby mit Namen Winston Leonard Spencer Churchill anzuvertrauen.
Es gibt eine bekannte Englische Anekdote über einen Mann, der an einer Reisegruppe teilnahm und einmal einen alten Mann in einem Dorf fragte, ob dort jemals schon irgendwelche berühmten Männer geboren wurden. „Nee, nur Babys.“, entgegnete der alte Mann. Wenn wir ein Baby oder ein kleines Kind sehen, dann wissen wir nicht, welche großartige Bestimmung auf seinem Leben liegt. Es hat bisweilen sogar den Anschein, als müssen viele  mit einer besonders großen Berufung in ihrer Jugend auch große Hindernisse überwinden.
Sehr bald nachdem sie ihre Stellung als Kindermädchen für die Kinder der Churchills angetreten hatte, bekam Elizabeth das volle Ausmaß ihrer Aufgabe zu spüren. Selbst die Mutter des Jungen war gezwungen, Besucher in typisch britischer Manier des Understatements zu warnen, er sei „ein schwieriges Kind.“. Er trat um sich, schrie, versteckte sich bisweilen stundenlang und er kommandierte die anderen herum. Er wurde häufig als Monster beschrieben. Da er wusste, dass Mrs. Everest gläubig war, versuchte der junge Winston einmal, einer Mathematikstunde zu entgehen, indem er drohte, er würde sich vor „Götzenbildern beugen und sie anbeten.“ Es funktionierte – jedenfalls eine Zeit lang. Aber Elizabeth Everest war eine erstaunliche Frau. Sie wusste, wie sie die Grenzen durchsetzen konnte, die sie zuvor gesetzt hatte; und Winston brachte dieser Frau, die anscheinend den Grund für seine Rebellion zu kennen schien, von Anfang an einen widerwilligen Respekt entgegen.

Randolph und Jenny Churchill hatten sich voll  und ganz ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen und Bestrebungen hingegeben und darüber ihren Sohn vollkommen vernachlässigt. Winston  schrieb später über seine Mutter: „Ich liebte sie, aber aus der Entfernung.“ Sein Vater dachte immer Winston sei zurückgeblieben und sprach fast nie mit ihm; dafür ließ er regelmäßig seinen wachsenden Zorn und Wahnsinn über dem Kind freien Lauf. Winston reagierte, wie es zu erwarten war- mit nervtötendem Verhalten, hinter dem er seine Sehnsucht nach Liebe versteckte.
Elizabeth Everest wusste, dass der Herr ihr den jungen Winston nicht nur um der Disziplin willen anvertraut hatte, die sie in seinem Leben durchsetzen würde, sondern auch, damit sie die Leere im Leben dieses einsamen, kleinen Jungen ausfüllen sollte. So wurde Elizabeth Everest - Winston nannte sie stets „Woom“ - nicht nur  zu seinem Kindermädchen, sondern auch zu seiner besten Freundin und Gefährtin. Sie entsprach schließlich voll und ganz dem Bild eines englischen Kindermädchens: mollig, fröhlich, stets optimistisch, immer barmherzig. Der Junge liebte sie von ganzem Herzen. Violet Asquith schrieb später über diese besondere Beziehung: „Mrs. Everest war sein Trost, seine Stärke und sein Zufluchtsort, seine einzige Quelle von niemals versiegendem menschlichen Verständnis. Sie war der Kamin an dem er seine Tränen  trocknete und sein Herz wärmte. Sie war das Nachtlicht neben seinem Bett. Sie war seine ganze Sicherheit“
Sie war gleichzeitig auch seine „Hirtin“. In der Geborgenheit ihrer gemeinsamen Andacht konnte Winston seine ersten Erfahrungen mit dem echten christlichen Glauben machen. Dort auf den Knien neben dieser sanftmütigen Frau Gottes lernte er zum ersten mal diese Aufwallung des Herzens kennen, die man auch Gebet nennt. Von ihren Lippen hörte er zum ersten Mal die heiligen Schriften, wie sie mit liebevoller Hingabe gelesen wurden; er war davon so bewegt, dass er mit vollem Eifer seine Lieblingsstellen auswendig lernte. Auf ihren langen gemeinsamen Spaziergängen sangen sie die großen Kirchenchoräle, sprachen über die Helden des Glaubens und versuchten sich vorzustellen, wie Jesus wohl aussehen könnte, oder wie es im Himmel sein würde. Wenn sie zusammen auf einer Parkbank oder auf einer Decke im kühlen, grünen Gras saßen, dann lauschte Winston oft wie gebannt, wenn Woom ihm die Welt in einfachen, aber eindeutig christlichen Begriffen erklärte.
Obwohl er sich als junger Erwachsener mit dem antichristlichen Gedankengut des Rationalismus beschäftigte, der seine Zeit so nachhaltig prägen sollte, fand er doch zu seinem Glauben zurück, als er sich auf der Flucht aus einem Kiegsgefangenenlager in Südafrika befand. In diesen entscheidenden Augenblicken kamen ihm beinahe unfreiwillig die Gebete über die Lippen, die er auf den Knien von Mrs. Everest gelernt hatte, ebenso wie die Bibelstellen, die er zu dem vertrauten Klang ihrer Stimme auswendig gelernt hatte. Von dieser Zeit an wurde der Glaube zusammen mit einem ausgeprägtem Sendungsbewusstsein wieder die bestimmende Macht in seinem Leben. Er begann, sich im gleichen Licht zu betrachten wie die Großen des Glaubens. Später weihte er seine Enkel Gott, indem er sie in die Höhe hielt und unter Tränen ausrief: “Ein neuer treuer Kämpfer und Diener Jesu!“
Als dann sein schicksalsträchtiger Tag gekommen war, war Winston Churchill bereit, die Welt mit dem klaren Trompetensignal des Glaubens anzuführen, den er von seinem frommen Kindermädchen gelernt hatte. Zu einer Zeit den zunehmenden Skeptizismus rief Churchill das Anliegen der „christlichen Zivilisation“ aus. Diese wurde seiner Meinung nach von außen durch „barbarisches Heidentum“ - wie dem Nationalismus – bedroht, das alle „christliche Ethik“ verachtete und „seine Kraft und perverses Vergnügen aus der Verfolgung“ gewann. Daher hatte jeder Christ „die Pflicht, die Struktur einer menschlichen und aufgeklärten, christlichen Gesellschaft“ zu bewahren. Das war von zentraler Bedeutung, denn „sobald der Schritt nach unten einmal getan ist, sobald der moralisch -intellektuelle Fuß auf den Abhang der einleuchtenden Vergnügungen ausgeglitten ist, gibt es kein Halten mehr, sondern nur noch das allgemeine Heidentum und Hedonismus“.
Während andere Führer seines Alters noch hin und her schwankten und nach feigen Kompromissen suchten, fasste Churchill die Herausforderung seiner Zivilisation in die klaren christlichen Begriffe, die die Menschen schon immer zu Größe geführt haben. Aber hinter seinem ganzen verbalen Arsenal, hinter der Artillerie seiner Vision stand die einfache Lehre eines hingegebenen Kindermädchens, die ihrem Gott diente, indem sie in das Schicksal eines kleinen, schwierigen  Jungen hinein investierte.
Als dieser Mann, der von manchen als der „größte Mann dieses Zeitalters“ bezeichnet wurde, im Jahr 1965 im Alter von 90 Jahren im Sterben lag, da stand nur ein einziges Bild auf seinem Nachttisch. Es war das Bild seines geliebten Kindermädchens, das schon etwa 70 Jahre zuvor zum Herrn gegangen war. Elizabeth Anne Everest hatte wirklich Gottes Bestimmung auf ihrem Leben erfüllt, obwohl sie die Frucht davon zu ihren Lebzeiten nicht zu sehen bekam. Sie war beständig voran gegangen, ohne zu ahnen welche Auswirkungen ihr Dienst einmal haben sollte.
Das Ziel unseres Lebens hier auf der Erde liegt nicht unserem eigenen Glück und unserer persönlichen Zufriedenheit, sondern darin, den Willen Gottes zu erfüllen. Es kann keine größere Freude oder größeren Frieden in diesem Leben geben als den, seinen Willen zu tun. Wenn wir unsere eigene Befriedigung zum größten Ziel unseres Lebens gemacht haben, dann werden wir sie nicht nur hier auf der Erde nicht finden, sondern wir werden gleichzeitig auch die größte aller Befriedigungen in der Ewigkeit opfern - so wie Paulus es in 1. Korinther 9,24-27 schrieb:
„Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt. Jeder Wettkämpfer aber lebt völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen. Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt, vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selber verworfen werde.“
Dieser  Text offenbart das geistliche Prinzip, das wir nur in dem Maße, in dem wir nach dem Gesetz des „Opfers im Fleisch“ leben, auch geistliches Leben empfangen und weiter geben können, so wie Elizabeth Everest dies tat.
„Wenn ihr aber nach dem Fleisch lebt, müsst ihr Sterben; wenn ihr aber durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben. Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, indem wir rufen: Abba, Vater! ... Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.“ ( Römer 8, 13-15 +18)
Adam lebte in einer vollkommenen Welt, und dennoch entschied er sich für die Sünde; daher leidet auch die ganze Schöpfung, die unter seiner Autorität stand, unter den Folgen seiner Sünde. Seit dieser Zeit wartet die Schöpfung auf die, die in der größten Finsternis leben werden und sich dennoch für den Gehorsam entscheiden, die ihr eigenes Leben für alle geben werden, die unter ihrer Autorität stehen.
Der erste Adam ist gefallen und hat seine Autorität dem Bösen übergeben, dem er gehorcht hatte. Als „letzter Adam“ blieb Jesus treu, und er wird den gesamten ehemaligen Herrschaftsbereich Adams wieder dem Vater zurückgegeben. Das haben auch drei andere Männer getan, die ebenso großen Einfluss in der Gemeinde hatten wie bereits Petrus, Paulus und Johannes vor ihnen: Jan Hus, Johann Amos Comenius und Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf. Der eine säte den Samen, der zweite begoss ihn und der letzte brachte die Frucht ein. Diese drei Männer veränderten die Welt durch ihre Ausdauer und ihre Opfer.........

Quellen: Rick Joyner: „Prophetische Zeichen, Gottes Plan in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ (2,95 Euro by amazon.de). „The Hidden Calling“ Stephen Mansfield, Herausgeber von Never Give In:  The Extraordinary Character of Winston Churchill